Resilienz – Die Fähigkeit der Erfolgreichen

Langsam und bedacht liest Dr. Denis Mourlane seinem Publikum in der Tafelhalle Nürnberg die Übersetzung des Gedichts „Invictus“ von William Ernest Henley vor:

Aus dieser Nacht, die mich umhüllt,
von Pol zu Pol schwarz wie das Grab,
dank ich welch immer Gottes Bild,
die unbezwung’ne Seel mir gab.

Wenn grausam war des Lebens Fahrt,
habt ihr nie zucken, schrein mich sehn!
Des Schicksal Knüppel schlug mich hart –
mein blut’ger Kopf blieb aufrecht stehn!

Ob zornerfüllt, ob tränenvoll,
ob Jenseitsschrecken schon begann:
das Grauen meines Alters soll
mich furchtlos finden, jetzt und dann.

Was kümmert’s, daß der Himmel fern
und daß von Straf’ mein Buch erzähl,
ICH bin der Herr von meinem Stern,
ICH bin der Meister meiner Seel’!

„Ich habe ihnen das Gedicht aus zwei Gründen vorgetragen“, erklärt der Diplom-Psychologe. „Das Erste ist, dass auch hochresiliente Menschen keine Supermänner oder Superfrauen sind, an denen alles abprallt. Auch hochresiliente Menschen haben negative Gefühle wie Angst, Ärger oder Traurigkeit.“ Im Gegensatz zu anderen Menschen finden sie jedoch Wege, um wieder in eine positive Situation zurückzukehren. „Das Zweite ist, dass unsere Art zu Denken beziehungsweise die Perspektiven, die wir einnehmen, entscheidend dafür sind, wie resilient wir durch das Leben gehen“, meint er. Wir können selbst entscheiden, welche Perspektive wir auf uns selber oder auf eine Situation einnehmen.

Was ist Resilienz?

Resilienz ist die Fähigkeit, unter Druck, in Veränderungen und Situationen der Ungewissheit, optimistisch, gelassen und zielorientiert zu bleiben und nach Rückschlägen wieder „schnell“ einen positiven Ursprungszustand herzustellen.

Resilienz ist in hohem Maße von unserer „Art zu Denken“ und unseren Perspektiven abhängig.

Resilienz ist einer der wichtigsten Faktoren für Erfolg, Gesundheit und Zufriedenheit im Leben. (Diane Coutu, Harvard Business Review)

Resilienz ist ein Synonym für psychologische Stärke und psychologische Widerstandsfähigkeit.

Die 7 Resilienzfaktoren

1) Emotionssteuerung: 
Das ist die Fähigkeit, unsere eigenen Emotionen wahrzunehmen und sie in eine andere Emotion umzuwandeln. „Wenn ich merke, dass ich in einer emotionalen Situation bin, die mir eigentlich nicht gefällt oder nichts nutzt, kann ich anfangen, Strategien anzuwenden, um meine Emotionen in eine andere Richtung zu steuern“, erklärt Mourlane.

2) Impulskontrolle:
Das ist übersetzbar mit Disziplin im Verhalten. Lass dich nicht ablenken! „Wenn sie merken, dass ihnen Impulse schaden, können sie lernen, disziplinierter mit manchen Situationen umzugehen“, sagt der Coach.

3) Kausalananalyse:
Das ist die Fähigkeit, Probleme gut lösen zu können. „Resiliente Menschen machen genauso Fehler wie jeder andere Mensch auch, aber sie machen sie häufig nicht wieder, weil sie kausal analysieren“, klärt Mourlane auf. Sie ermitteln die Gründe für Rückschläge und Fehler. Hierfür sollte man sich genug Zeit nehmen.

4) Realistischer Optimismus:
Das ist ein Optimismus mit einer hohen Übereinstimmung zur Realität. Eine mögliche Denkhaltung wäre nach Mourlane: Ich weis noch nicht wie wir aus dem Schlamassel rauskommen, aber ich bin mir relativ sicher, dass wir einen Weg finden, weil ich schon oft wieder aus einem Schlamassel rausgekommen bin.

5) Selbstwirksamkeit:
Das ist die Fähigkeit, sich in schwierigen Situationen Herausforderungen zu stellen. „In den allerwenigsten Fällen lösen sich Probleme von alleine. Sie müssen aktiv werden“, appelliert der Diplom-Psychologe.

6) Empathie:
Das ist die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. „Menschen mit einer hohen Empathie sind sehr mitfühlend“, schildert Mourlane. „Sie sind bereit, ihre Meinung auch mal zu ändern.“

7) Zielorientierung:
Hier steckt viel Neugier drin. „Menschen mit einer ausgeprägten Resilienz setzen sich gerne neue Ziele und verfolgen diese relativ unabhängig von der Meinung und dem Feedback Anderer“, sagt Mourlane. Resiliente Menschen kennen ihre Stärken und Schwächen.

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5 Tools zum Erhalt und zur Steigerung deiner Resilienz

1) Psychologische Grundbedürfnisse:
Nach Mourlane gibt es fünf entscheidende psychologische Grundbedürfnisse, die erfüllt sein müssen, damit wir ein glückliches und zufriedenes Leben führen können:

  • Selbstwerterhöhung/Selbstschutz:
    Wir möchten geschätzt werden und gut über uns selbst denken.
  • Orientierung und Kontrolle:
    Wir möchten wissen wo es in unserem Leben hingeht und die Kontrolle über unser Leben selber ausführen.
  • Lustgewinn/Unlustvermeidung:
    Wir wollen positive Emotionen erleben. Wir wollen Spaß und Freude. „Ihre Arbeit und Familie sollen ihnen Spaß machen“, fordert der Coach. „Sie sollten unbedingt Hobbies haben. Sachen, wo sie positive Emotionen erleben, ohne viel reinstecken zu müssen.“
  • Bindung:
    Wir wollen Freunde, Familie und Bekannte. Hier können wir Freude und Leid teilen sowie Unterstützung finden.
  • Kohärenz/Stimmigkeit/Sinn:
    Wir möchten Situationen der Balance. Wir leben gerne im Gleichgewicht.

Laut Mourlane sollten wir diese Bedürfnisse ernst nehmen, regelmäßig überprüfen und reflektieren.

2) Sich entscheiden:
„Es gibt zwei Bereiche, an denen sie ansetzen können, damit es ihnen in schlechten Situationen wieder besser geht“, erklärt der Psychologe. „Sie können etwas an sich verändern oder sie können versuchen, die Situation zu verändern.“ Mourlane bezieht sich hier auf den Satz „Love it, change it oder leave it“.

  • Leave it heißt:
    Veränderung der Situation. Ich verändere mich nicht, sondern gehe aus der Situation hinaus.
    (z.B. Job kündigen)
  • Change it heißt:
    Veränderung der Situation. Ich verändere mich nicht, aber ich bleibe in der Situation. Ich versuche, in der Situation etwas zu verändern. „Bevor sie diese Strategie anwenden, überlegen sie sich genau, ob sie die Situation überhaupt verändern können und bereit sind, Ressourcen hineinzustecken“, rät Mourlane.
    (z.B. mit Chef reden)
  • Love it heißt:
    Veränderung von sich selbst. Ich kann versuchen Dinge zu akzeptieren und Gefühle anzunehmen. Ich kann mir neue Ziele setzen und mir bewusst machen, dass das Leben auch aus negativen Dingen besteht. „Diese Strategie sollten sie anwenden, wenn sie die Situation nicht verändern können“, informiert Mourlane.
    (z.B. Todesfall)

3) Positivity:
Nach dem Coach müssen wir den Blick auf die positiven Emotionen in unserem Leben lenken. Dies funktioniert beispielsweise mit einem Glückstagebuch. Hierfür brauchst du nur einen Stift und ein kleines Notizbuch. Jeden Abend solltest du dann drei Dinge aufschreiben, die an diesem Tag gut gelaufen sind oder dich glücklich gemacht haben. Dadurch lernst du, mehr positive Dinge wahrzunehmen. Oft führen auch ganz alltägliche Sachen zu positiven Emotionen. „Wenn sie merken, dass ihnen nichts einfällt, dann wird es mal wieder Zeit, etwas zu tun, um positive Gefühle zu erleben“, warnt Mourlane.

4) Stärkenorientierung:
Da stecken zwei Dinge dahinter. „Das Erste ist, dass sie ihre Stärken kennen sollten. Sie alle haben ein Talent. Irgendwas können sie richtig richtig gut“, klärt der Coach auf. „Sie sollten möglichst etwas tun, das dazu führt, dass sie diese Stärken auch einsetzen können. Kein Leben macht immer Spaß, aber sie sollten Dinge tun, wo das öfters der Fall ist.“ Das Zweite ist die situationsspezifische Resilienz. Diese tritt in Drucksituationen ein. Hier sollten wir uns auf Erfolg und Stärken konzentrieren anstatt auf Schwächen. Wir müssen also lernen, die Perspektive zu wechseln.

5) Thinking Style:
„Oft sind es nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben“, meint Mourlane. Jede Emotion spricht eine Sprache und sagt etwas bestimmtes aus.

  • Trauer: Du hast etwas verloren.
  • Ärger: Deine Rechte wurden verletzt.
  • Anspannung/Angst: Da ist eine Gefahr.
  • Gelassenheit: Ich habe Vertrauen in mich.
  • Glücklichkeit: Alles ist okay.

Oft haben Menschen unterschiedliche Emotionen in der gleichen Situation. Das liegt an den unterschiedlichen Sichtweisen. Emotionen sind häufig gute Ratgeber für uns selbst. Gelegentlich liegen sie aber auch falsch. „Manchmal haben sie riesengroße Angst, obwohl die Gefahr ganz klein ist“, erklärt Mourlane. „Glauben sie also nicht alles, was sie fühlen!“

 

Quelle: Dr. Denis Mourlane zum Thema Resilienz – NN-ExpertenForum 2017

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